800 Jahre geschenktes Leben: Langzeit-Transplantierte der MHH feiern
Am DankeMal im MHH-Patientengarten: Langzeit-Lebertransplantierte, Angehörige und medizinisches Personal danken den Organspendern
Foto: Cornelius van Beekum / MHH
Rund 20 Patientinnen und Patienten, die seit mehr als 35 Jahren mit einer Spenderleber leben, trafen sich vergangene Woche erstmals gemeinsam an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie gehören zu den Menschen mit den weltweit längsten Überlebenszeiten nach einer Lebertransplantation – zusammen stehen sie für mehr als 800 Jahre gewonnenes Leben. Für die Rudolf Pichlmayr-Stiftung war Dr. Annika Ollrog dabei.
Wo alles begann
1972 gründete Rudolf Pichlmayr das Lebertransplantationsprogramm an der MHH – damals medizinisches Neuland. „Die Anfänge waren schwierig, weil wir alles erst lernen mussten: die Operationstechniken und das gesamte Management der Transplantierten", erinnert sich Prof. Dr. Burckhardt Ringe, langjähriger Oberarzt der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Pichlmayr und sein Team lernten schnell – und machten Hannover zu einem der führenden Transplantationszentren der Welt. Mehr als 4.000 Spenderlebern wurden hier seitdem transplantiert.
Gelebter Fortschritt
Was damals kaum vorstellbar schien, ist heute Alltag: Immunsuppressiva wirken gezielter, die Nachsorge ist individueller geworden, und die MHH transplantiert jährlich 300 bis 400 Organe. Im Jahr 2025 waren es 24 Herzen, 110 Lungen, 80 Lebern, 148 Nieren und drei Bauchspeicheldrüsen. Die Empfängerinnen und Empfänger kommen aus allen Altersgruppen, vom Säugling bis zum Senior. Prof. Dr. Moritz Schmelzle, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, bringt es auf den Punkt: „Diese Patientinnen und Patienten zeigen eindrucksvoll, was Transplantationsmedizin leisten kann. Viele von ihnen haben dank einer Organspende Jahrzehnte an Lebenszeit gewonnen, Familien gegründet, Karrieren verfolgt und wichtige Lebensereignisse erlebt.“
800 Jahre in Zahlen und Gesichtern
Die Geschichten der Patientinnen und Patienten sind tatsächlich beeindruckend: Da ist zum Beispiel Ilse K.: Sie erhielt 1985 mit 36 Jahren eine neue Leber – nachdem ihre Krebserkrankung als unheilbar galt. Heute, 41 Jahre später, erlebt sie, wie einer ihrer Enkel studiert. Zwei Kinder, drei Enkel, zwei Urenkel. „Dank der Transplantation konnte ich nicht nur meine Kinder und deren Kinder aufwachsen sehen", sagt sie beim Treffen.
Pionierarbeit mit echter Wirkung
Die meisten Anwesenden kannten sich bislang nicht und waren überrascht, wie viele andere MHH-Patientinnen und Patienten mit ähnlicher Krankheitsgeschichte es gibt. Sie und ihre Lebenswege zeigen ganz wunderbar, wofür der Pionier Rudolf Pichlmayr stand und was die Transplantationsmedizin heute für schwer erkrankte Menschen bewirken kann.
Unser besonderer Dank gilt Frau Dr. Ulrike Bode, die das Treffen maßgeblich gestaltet und uns eingeladen hat. Obwohl die Veranstaltung bewusst ohne große Öffentlichkeit stattfand, berichteten einige Medien und erzählen dabei weitere beeindruckende Patientengeschichten:
Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 12. Juni 2026